Mocca’s Nachkommen und Krishnas Reise
Seit dem 15.07.26 ist eine Rasselbande im Felsentor unterwegs. Erst sehr ruhig. Blind und hungrig suchen sie sich täglich Nahrung bei Mocca, welche sich so natürlich und mit aller Ruhe um ihre Kleinen kümmerte. Nach einer Woche kam der Umzug. Mocca entscheidet, dass es ihr zu viele Menschen hat neben dem Speisesaal. Sie nimmt eines ihrer Babys, schleicht am Essensbuffet und den vielen staunenden Augen vorbei und erkundschaftet den ersten Stock. Sie avisiert das Volozimmer Nr. 12 und möchte ihr Kind unter eines der Betten verräumen. Sie kann sich nicht entscheiden welches und schlüpft vom einem zum anderen. Beim Prozess wurde auch direkt eine alte verstaubte Socke unterm Bett hervorgeholt. Falls diese jemand vermisst, bitte melden an info@felsentor.ch.
Als Mocca sich dann tatsächlich entschied, ihre Kinder unter einem Bett grosszuziehen, entschieden wir uns dagegen und pflanzten die Jungen in eine Kartonkiste am Ende vom Hausgemeinschafts-Gang. Ich denke Mocca war damit im Nachhinein sehr gut einverstanden :)
Die Kleinen tranken und wuchsen, machten die Augen auf und fingen an ihre ersten Schritte aus der Box zu wagen. Die ersten Schritte waren unsicher. Bald wollte der Kopf auch schon mehr als der Körper konnte und es gab einige ungeschickte Stürze, Köpfe welche mit der Kartonwand bekanntschaft machten und sehr viel unkontrolliertes miteinander Spielen :)
Ich sass neben der Kartonkiste. Eines der Kätzchen kam raus, lief auf Moccas Trockenfutter zu und ass es einfach. Bis zuvor tranken sie nur die Muttermilch. Ich war schon fast schockiert. Bevor ich die Neuigkeit verarbeiten konnte, assen schon alle aus der Trockenfutterschale. Also gab es schon bald für alle ein eigenes Näpfchen und sie fingen an, Nassfutter zu essen. Auch das Katzenklo wurde in Betrieb genommen. Ganz von alleine. Mocca machte ihr Geschäft da rein, die Kleinen folgten ihr damit. Bis jetzt gab es erst ein Missgeschick und das war Pipi auf meiner Bettdecke. Und ja, ich hätte darauf verzichten können.
Als ihre sehr individuellen Charaktere erkannt wurden, bekamen sie Namen; Lucy, Baba, Krishna, Fénix und Momo.
Bald schon kam auch der nächste Schritt; die Kleinen entdeckten die grosse weite Welt (oder zumindest den Garten um das Haus Felsentor :)
Sie erkundeten Erde, Steine, Wasser, Sonne und es ist immer noch eine Freude ihnen zuzusehen. Sie spielten und tobten herum und machten dazwischen Schläfchen auf dem Sofa, im Fundkorb, in den Hausschuhen oder auf dem Schoss eines glücklichen Menschen.
Eines Tages als es bereits eindunkelte und es Zeit für das Nachtessen der Kleinen wurde, da fehlte ein schwarzes Bündel; Wo ist Krishna? Plötzlich suchten alle. Zu dieser Zeit war der Kurs «MediTieren» am Felsentor und nach der Abendmeditation halfen auch viele Kursgäste mit, den kleinen Vierbeiner aufzuspüren. Wir liefen in den Wald, kletterten Felsabschnitte hoch und runter, pfiffen und ruften, aber der Kleine lies sich nicht finden. Wir entschieden uns, den Suchtrupp abzubrechen und hofften, dass Krishna eine warme und sichere Unterkunft gefunden hat.
Die Nacht war von Unruhe geplagt. Unser 9 Wochen alter Krishna alleine in der Dunkelheit umgeben von Tieren, welche er noch nie gehört oder gesehen hat und mit der Gefahr von Füchsen und Dachsen in der Nähe. Meine Sorgen waren gross. Wir hofften alle darauf, dass Krishna am Morgen zurückkomm.
Der Morgen kam, es war so kalt in der Nacht, es lag fein Tau auf der Wiese. Doch Krishna kam nicht. Wir gaben eine Vermisstenanzeige auf, die Hoffnung auf seine Rückkehr kam ins Schwanken.
Da kam plötzlich ein Anruf vom Rigihotel Kaltbad; «Wir haben am Morgen ein kleines schwarzes Kätzchen bei der Rigibahn aufgegabelt. Gehört das zufälligerweise zu ihnen?».
Ohne die genauen Details zu wissen, nur anhand der Reaktion von Nicolle, welche am Telefon war, rannte ich los und zog meine Schuhe an, ging zurück ins Büro, Nicolle weisste mich in die Details ein und ich wusste ich muss die nächste Bahn hoch erwischen. Und ich wusste, dass ich voller Freude war, dass die Möglichkeit besteht, dass Krishna eine Station weiter von mir gefunden wurde. Und ich wusste bestimmt, dass ich vorher noch auf die Toilette musste.
Als ich fast hochgerannt bin und bei der Station Romiti ankam, ist mir eingefallen, was ich nicht wusste; Das ich eine Transportbox hätte mitnehmen sollen. Und, dass die Bahn erst um 10.26 fährt und nicht wie angenommen um 10.19 Uhr. Aber was ist schon Zeit in der buddhistischen Welt.
Nach meiner 10 minütigen Reflektion darüber, wie unüberlegt ich losgespurtet bin, gings nach Kaltbad ins Rigihotel und ich durfte eine ähnliche Erfahrung machen, wie Jessica ein Jahr vor mir: Ein netter Herr vom Hotel Rigi Kaltbad nimmt mich in empfang und geleitet mich durch ein Labyrinth aus Wegen durch das Hotel. Neu diesmal; Mir werden dabei Fotos von Mocca gezeigt. Mocca wie sie gemütlich auf dem Suite Sofa liegt und mit gelassenem Blick in die Kamera schaut.
Ich meinte zu dem Herrn; «Die Katze, welche sie dieses Jahr gefunden haben, dass ist nun ihr Sohn». Der Herr schien sich zu freuen, die Familie Mocca kennenzulernen und ich machte ihn bei der Gelegenheit auch gleich darauf aufmerksam, dass Krishna noch 4 Geschwister hat, welche (und ich hoffe es nicht!), vielleicht auch mal auf Besuch kommen könnten. Anscheinend liegt da ja was in den Genen.
Krishna erwartete mich nicht auf dem Sofa, wie Mocca dies geniesen konnte, sondern hatte das ganze Badezimmer für sich bekommen. (Vielleicht hatte der nette Herr von dem Pinkelvorfall auf meiner Bettdecke gehört). Da ich ja die Transportbox im Felsentor gelassen habe, dafür aber im Eifer noch zu meinem Rucksack gegriffen hatte, machte es sich Krishna bald schon gemütlich darin und wir liefen das Labyrinth zurück. Ich ging aus dem Hotel und steuerte die Rigibahn an. Ich war sehr glücklich mit Krishna in meinem Rucksack, er war sehr verwirrt von der neuen Situation und schaute neugierig auf seine Umgebung in erhobener Position.
Wärend ich mir Gedanken machte, ob das wohl gut geht mit Krishna in meinem Rucksack in der Bahn höre ich aus der Ferne lauteres Gerede. Ich laufe weiter auf die Rigibahn zu und nehme dann aber war, wie in meinem Augenwinkel rechts von mir etwas Vierbeiniges vorbeiläuft. Da dies doch eher ungewöhlich wirkte, zog es mich aus meinen Gedanken, ich drehte mich um und sah, wie eine Ziege gemütlich an mir vorbei auf die nächstgelegene Blumenkiste zusteuert. Als meine Gedanken wieder voll bei meiner Umgebung waren, kam es dann auch aus mir heraus und ich rufte; «Elmo!»
Elmo, unser 1 ½ jähriger Ziegenbock aus der Tierschutzstelle, hatte sich entschieden an diesem sonnigen Sonntag einigen Wanderern bis nach Kaltbad zu folgen und ich hatte die Ehre ihn genau in diesem Moment zu treffen. Auf mein «Elmo!», reagierte Elmo natürlich nicht. Er war beschäftigt damit sich die schönsten Blumen zum Fressen auszusuchen. Jedoch reagierten die Wanderer, welchen Elmo gefolgt ist darauf. Sie drehten sich zu mir um und fragten: «Kennen Sie diese Ziege.» Ich antwortete: «Ja, die Ziege ist mir durchaus bekannt».
So endete mein spontaner Ausflug ins Rigi Kaltbad nicht nur mit dem Zurückbringen von Krishna, sondern auch Elmo wollte etwas von der Aufmerksamkeit des Trubels.
Und diesen hat er auch zu seiner Freude bekommen.
An diesem Tag gab es viele Fotos in Rigi Kaltbad von einer Person mit Katze im Rucksack, welche bemüht darum ist, dass eine braune Ziege nicht alle Blumenkästen abgrast.