Abschied von Samson und Lilofee

Lilofee lebte zunächst bei Schwester Theresia und residierte später gemeinsam mit Gästen und Hausgemeinschaft im Haupthaus. Vielleicht könnte man besser sagen, sie regierte das Haus als unsere heimliche Äbtissin. Lilofee hat nicht nur gerne die Arbeitsbesprechung am Morgen moderiert, sondern auch mit der Gemeinschaft im Zendo praktiziert und uns im Alltag mit ihrer Klarheit, Weisheit und ihren - mal mehr, mal weniger - sanften Pfoten viele wache Momente geschenkt. Für uns war sie eine grosse Zen-Lehrerin.

Samson wurde schon auf der Tierschutzstelle geboren, als ein überraschender Glücksfall kamen er und seine Geschwister zur Welt. (Überraschend, weil man noch nicht von der frühen Geschlechtsreife der Schweine wusste…) Samson erzählte faszinierend Geschichten und war ein aufmerksamer, zugewandter Gesprächspartner, mitunter auch für Streitgespräche sehr zu haben. Beeilung oder gar Hetze lehnte er nicht nur ab, sondern zeigte unmissverständlich das Zumutende und Würdelose daran auf.

Das Altwerden hat Samson und Lilofee einiges abverlangt: Sie hatten mit Krankheiten, nicht mehr heilenden Wunden, schwächer werdenden Muskeln, steifen Gelenken, Inkontinenz und ähnlichem umzugehen. Es gab in ihren letzten Wochen einige Male die Überlegung, ihrem Leben durch tierärztliche Sterbehilfe ein Ende zu setzen. Aber immer wieder durften wir Momente mit ihnen erleben, in denen sie Freude und Genuss ausstrahlten, Interesse an Begegnung zeigten oder für sich eintraten (wehe dem, der später als üblich zur Fütterung erschien…). So haben wir sie weiter begleitet, dabei versucht, sie angemessen zu versorgen und immer wieder staunen dürfen, wie sie ihre zunehmenden Einschränkungen, Beschwerden und auch ihre steigende Abhängigkeit annehmen konnten.

Nachdem Lilofee viele Tage in einem Kuschelkörbchen unter der Treppe verbracht hatte, hat es sie am Nachmittag ihres letzten Tages in den Garten gezogen. Dort hockte sie lange der Sonne zugewandt, wartend und wie zum Sprung bereit. Nicht weit von dieser Stelle haben wir sie am frühen Abend gefunden, sie wirkte ruhig und friedvoll auf die Reise gegangen.

Auch Samson konnte seinen Weg ohne ärztliches Eingreifen zu Ende gehen. Er ist im Schweinestall der Tierschutzstelle in den Händen von Jessica und Melanie gestorben.

Wir sind dankbar für die berührenden Erfahrungen, die wir mit ihnen machen durften, und für alles, was sie uns mit ihren besonderen Wesen gelehrt haben. Mögen sie auf einer guten Reise sein!

 
 
Stiftung Felsentor